Women as Background Decoration: Part 1 – Tropes vs Women in Video Games

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Muss man gar nichts weiter zu sagen: Anita Sarkeesians neuestes Video.

In this episode we explore the Women as Background Decoration trope which is the subset of largely insignificant non-playable female characters whose sexuality or victimhood is exploited as a way to infuse edgy, gritty or racy flavoring into game worlds. These sexually objectified female bodies are designed to function as environmental texture while titillating presumed straight male players. Sometimes they’re created to be glorified furniture but they are frequently programmed as minimally interactive sex objects to be used and abused.

Sexual objectification is the practice of treating or representing a human being as a thing or mere instrument to be used for another’s sexual purposes. Sexually objectified women are valued primarily for their bodies, or body parts, which are presented as existing for the pleasure and gratification of others.

 

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The Face of Gaming: 40 Male Protagonists Featured at E3 2014

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Auf The Mary Sue kann man zählen, wenn es um nette Gender-Kritik an der Spielebranche geht.

In aller Fairness muss man sagen, dass nicht alle der gezeigten männlichen Protagonisten haargenau gleich aussehen. Ein etwaiger Stereotyp ist aber schon zu erkennen. Und dass die meisten totally boring ausschauen (‚The exciting story they are going to tell me! So diverse and fresh I assume!‘), das steht ja wohl außer Frage!
Ich möchte hier gar nicht mal ausschließlich für mehr weibliche Charaktere plädieren, sondern würde mir generell unterschiedlichere Protagonisten wünschen: in Alter, Geschlecht, Hautfarbe und Physiognomie. Scruffy McStubbleson ist sowas von 2013.

[Link] Kill and Conquer: Traditionally “Male” Values and Video Game Violence

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Schöner Artikel auf The Mary Sue.

You need only look at the recent big release of watch_dogs by UbiSoft. In it, you play hacker Aiden Pearce, a white man with a propensity for wearing face-covering neckerchiefs (gotta get dat total player projecti—uhh IMMERSION that’s what we mean yeah). […] Whoa, I can’t wait to play this scintillating protagonist who will no doubt transport me to a wondrously interesting world, exposing me to his fascinating points of view! Or, you know, we could go kill some dudes cuz they killed a girl.

Das Ende Europas?

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Also Addendum zu meinem vorherigen Beitrag:

Wie brisant der Gewinn eines Gesangswettbewerbs doch sein kann, zeigt sich in diesem Artikel bei Spiegel Online.

Die russische Politik nimmt den Sieg der Dragqueen allerdings nicht ganz so gelassen. Der rechts-nationalistische LDPR-Abgeordnete Wladimir Schirinowski, bekannt als Populist, der gerne mal mit scharfen Sprüchen provoziert, wurde am Sonntag im russischen Fernsehen ausfällig: „Unsere Empörung ist grenzenlos, das ist das Ende Europas“, sagte der 58-jährige Politiker. „Da unten gibt es keine Frauen und Männer mehr, sondern stattdessen ein Es„, ergänzte Schirinowski mit Blick auf den Geschlechter verwischenden ESC-Gewinner aus Wien und fügte hinzu: „Vor 50 Jahren hat die sowjetische Armee Österreich besetzt, es freizugeben war ein Fehler, wir hätten dort bleiben sollen.“

Conchita Wurst auch von politischem Interesse? I fucking think so. Sie symbolisiert gerade jetzt in den Mainstream-Medien ein Konzept des ungewissen Geschlechts, dass alten weißen konservativen Männern das Fürchten lehrt. Ich konnte mir ein Lächeln bei dieser Nachricht wirklich nicht verkneifen.

Conchita Wurst: „They don’t have to love it, they just have to accept it.“

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Ich bin keine Expertin, was den Eurovision Song Contest angeht. Weder habe ich ihn in diesem Jahr, noch in einem der Vorgängerjahre verfolgt. Wenn man sich allerdings für die Wahrnehmung und Repräsentation von Gender in den Medien und unserer Populärkultur interessiert, kommt man an dem derzeitigen Diskurs um Geschlechteridentifikation und Transsexualität wohl kaum vorbei.

Conchita Wurst ist eine Kunstfigur, die von dem österreichischen Travestiekünstler Tom Neuwirth verkörpert wird. Bekannt war mir Conchita tatsächlich schon vor dem ESC aufgrund ihrer Teilnahme an der eher fragwürdigen RTL-Reality-Show Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika, die im Sommer 2013 über die Bildschirme flimmerte.

Trotz mangelnder Qualität der Show und dem für RTL typischen Fokus auf Konfrontation, Alltagssexismus und Bloßstellung der Teilnehmer, fand ich Conchitas Kontaktaufnahme mit den Mitgliedern des Stammes der Himba, bei welchem die Teilnehmer der Show eine gewisse Zeit verbringen durften, irgendwie erfrischend. Ihr ging es dabei, so machte es jedenfalls den Anschein, tatsächlich darum, den ihr fremden Menschen zu erklären, dass sie sich als zwischen den Geschlechtern stehend empfindet und keine Frau ist, die sich einfach einen Bart hat wachsen lassen.

Sie ist zudem eine wirklich sympathische Person, die mit einem sehr guten Englisch auftrumpfen kann. Dank ihres Charmes lässt sie einen ziemlich schnell vergessen, dass ihre traumhaften Wimpern und der Bart in ihrem Gesicht nicht zu unserer Standardklassifizierung von geschlechtlicher Zugehörigkeit passen wollen. Ihre Performanz macht sie daher einzigartig und zeigt uns zudem, dass reine Äußerlichkeiten in den Hintergrund treten, wenn uns jemand durch seine oder ihre Persönlichkeit überzeugen kann.

Spannend war für mich in dieser Hinsicht jedenfalls das folgende Video, was ich weiter unten einbetten werde. In diesem ca. 30-minütigem Interview mit Eurovision Ireland sprechen Conchita und ihr Interviewer wohl ein Drittel der Zeit über Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlicher geschlechtlicher Zugehörigkeit, wie der ESC Menschen in Europa zusammenbringt und warum Conchitas Teilnahme essenziell für unseren aktuellen gesellschaftlichen Diskurs ist. Explizit wird natürlich nicht darüber gesprochen, dass Russland bzw. Teile Osteuropas eine gewichtige Rolle in dieser bestehenden feindlichen Haltung einnehmen. Man kann aber davon ausgehen, dass es beiden im Gespräch durchaus im Hinterkopf herumspukte.

Natürlich gab es selbst in Conchitas eigenem Land Österreich Widerstand bzgl. ihrer Teilnahme. Das halte ich selbst aber für wenig verwunderlich. Schließlich gibt es immer einen gewissen Prozentsatz von negativem Feedback, der sich in seinem Bezug entweder zu der schrecklichen Stimme, dem zu auffälligen Make-Up, der zu knappen Kleidung oder, in Conchitas Falle, dem Bart des jeweiligen Teilnehmers äußert. Ob man nun zu blond ist, zu blöd oder zu männlich, erscheint dabei fast schon arbiträr.

Im Interview erwähnt Conchita etwas, das sich schlussendlich bewahrheiten sollte: Wir wollen Andersartigkeit, wir wollen alternative Persönlichkeiten, wir wollen Diversität in Geschlecht, Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit. Dafür steht Europa, und dafür steht natürlich auch der ESC. Herausragende Persönlichkeiten können stets das Feld für sich einnehmen. Mittelmäßigkeit in jeder Hinsicht führt bei solch einer Veranstaltung zum Rutschen auf einen der hinteren Plätze.

Auf die Frage „What would you like them to remember or take from your performance?“ antwortet Conchita

„I hope that they get the message that it is not about how you look or where you’re from or the color of your skin or whatever, and that everybody should express themselves as they like […] that you accept people who are not the norm. And … well, what is the norm? What is normal? […] I want to give, in the first place, young people the confidence to express themselves however they want or however they feel good.“

Ich gehe nach diesem Interview davon aus, dass Conchita Wurst als Kunstfigur nicht nur dem Zweck der reinen Unterhaltung dient bzw. gedient hat. Ihr scheint ihre Rolle in der derzeitigen Medienlandschaft und der damit verbundene Einfluss bewusst zu sein. Ihr Sieg hat ihr jedenfalls Recht gegeben, dass ihre Mission eine wichtige ist, und dass selbst Zweifler von ihrer Kunst überzeugt werden können, wenn sie einfach Stimme und Musik auf sich wirken lassen und eventuellen Vorurteile aus ihrer Kritik herausnehmen.

Wer sich nicht das ganze Video ansehen möchte: Für die hier angerissene Thematik von Interesse sind die Minuten 10:41 bis 17:12 sowie 30:29 bis 32:12.

Ich erwarte mit Spannung, ob es in den kommenden Wochen noch mehr zu diesem Thema zu sagen geben wird, oder ob dieser Gender-Diskurs wieder sang- und klanglos verschwindet, um anderen skandalösen Befindlichkeiten Raum zu geben.

Nachtrag (19:35): Mir ist bewusst, dass sich viele nicht auf Conchita einlassen werden. Für sie wird sie immer die „Frau mit dem Bart“ bleiben. An dieser Groteske ergötzt man sich und lästert, als entstamme besagte Person einer Freak Show des frühen 20. Jahrhunderts. Dass diese Leute (die abfällige Kommentare abgeben oder derbsten Sexismus vom Stapel lassen) durchaus auch Akademiker sein können oder Leute, die sich selbst als aufgeschlossen betrachten, finde ich fast schon beschämend. Aber es ist nun mal eine traurige Tatsache, dass sehr viele Außenseiter später selbst zu ‚Bullys‘ werden und Menschen, die ihnen als zu fremd vorkommen, ausgrenzen, um sich selbst innerhalb der Mitte der Normalität zu positionieren. Aufwertung durch die Abwertung anderer. Das ist eine sehr menschliche Eigenart, doch davor sollten wir unsere Augen nicht verschließen.